Die Sage

Es zogen aus dem Vaterhaus
der stolzen Stadt Venedig,
drei Brüder in die Welt hinaus
im Herzen frei und ledig.
 

In`s Erzgebirge kamen sie
nach mühevollen Tagen
und mühten sich dort spät und früh
nach Erzen einzuschlagen.
 

Bald stellte sich der Segen ein
es lohnte sich die Reise,
sie fanden Gold und Edelstein
und Silber haufenweise.
 

Verführ`risch ist das edle Erz
dem Menschen ohne Zweifel,
denn krampfhaft packt oftmals das Herz
der böse Habgierteufel.
 

Dem Einen ließ es keine Ruh`
riss aus dem Schlaf ihn wieder
und flüsterte ihm leise zu:
“Erschlage Deine Brüder!”
 

Es überlief ihn siedendheiß
beim bleichen Lampenscheine,
wie lockt das Silber blendendweiß,
wie funkeln hell die Steine.


Wie glänzt das Gold so blutig rot
es zieht ihn aus dem Bette,
auf schreit`s! - Zwei Brüder lagen tot
auf ihrer Schlummerstätte.
 

Da klaffte auf die Erde tief,
da flammt`s empor wie Schwefel,
des Berggeist`s Stimme donnernd rief:
“Nicht duld`ich solchen Frevel!”
 

Unsel`ger Mensch was tatest du?
Du Mörder deiner Brüder!
Zur Strafe wand`le ohne Ruh`
und kehre immer wieder.
 

Zur Mitternacht an diesem Platz
mit gierigen Gefühlen,
nach dem von Gott verfluchten Schatz
sollst ewiglich du wühlen.
 

Es streckt der Geist die Rechte aus
mit grimmiger Gebärde,
das edle Erz, das ganze Haus
zerschlag jählings die Erde.
 

“Dreibrüderhöhe” steht nicht weit
vom Platz, wo es geschehen,
doch von dem Schatz ist bis heut`
auch nicht die Spur zu sehen.


Nur nachts manchmal es schaurig klingt
ein Geist dann Ruh`los wandelt,
dem edles Erz nur Segel bringt
der edel denkt und handelt.
 

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